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Berufliche Chancen verbessern: Mit der Initiative ProAbschluss Berufsabschluss nachholen

Profile Photo By: Carsten Hennig
May 8, 2017

Berufliche Chancen verbessern: Mit der Initiative ProAbschluss Berufsabschluss nachholen

Frankfurt am Main, 08. Mai 2017 –
In Deutschland ist man zu Recht stolz auf das duale Berufsausbildungssystem und den hohen Anteil an Menschen mit abgeschlossener Ausbildung. Diese Fachkräfte sind eine wesentliche Stütze der einheimischen Wirtschaft. Weitgehend unbekannt ist aber, dass auch hierzulande sehr viele Menschen arbeiten, ohne für den ausgeübten Job den geeigneten Berufsabschluss zu haben. Im wirtschaftsstarken Bundesland Hessen sind über 320.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – etwa 13 Prozent der hessischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – ohne anerkannten Berufsabschluss.

In der Praxis führen viele von ihnen trotzdem hochqualifizierte Arbeiten aus. So wie Tino Sirlin, 35, aus Grasellenbach in Südhessen, der 2016 seinen Berufsabschluss als Industrieelektriker nachgeholt hat. “Ich war auch ohne Abschluss ganz erfolgreich”, bekennt der alleinerziehende Vater heute. Seit vielen Jahren schon ist Sirlin bei der ABG Industrie Elektro GmbH im benachbarten Bensheim angestellt, war erst im Außen-, später im Innendienst. Als Ungelernter erfolgreich zu sein – das ist eher die Ausnahme. Menschen ohne Berufsabschluss sind viermal so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen und finden oft nur schwer einen neuen Arbeitsplatz. Denn bis zu 80 Prozent aller bei der Arbeitsagentur gemeldeten Arbeitsplätze sind Stellen für Fachkräfte mit entsprechendem Berufsabschluss. Obwohl Sirlins Arbeitsplatz nicht gefährdet war, wollte er den Berufsabschluss aber trotzdem nachholen. “Ohne Berufsabschluss kommt man über eine bestimmte Stufe einfach nicht hinaus”, stellt er fest und fügt hinzu: “Man muss auch immer mehr kämpfen und etwas mehr leisten als der Rest, um zu beweisen, dass man etwas kann.”

Katrin Blackburn
Katrin Blackburn

Auch für Katrin Blackburn war es wesentlich, den Berufsabschluss noch nachzuholen. Die 35-jährige Mutter arbeitet im Vollschichtsystem im Duty-Free-Shop von Gebr. Heinemann SE & Co KG am Flughafen Frankfurt am Main. Blackburn hat ebenfalls 2016 ihren Abschluss nachgeholt, als Einzelhandelskauffrau. Befragt über ihre Motivation sagt sie stolz: “Selbstbestätigung vor dem eigenen Kind, das war mir wichtig.” Viele Menschen wollen einen Fehler der Vergangenheit korrigieren, den sie seit Jahren bereuen. Ein Berufsabschluss steigert aber nicht nur Selbstwertgefühl und sozialen Status, sondern auch das Einkommen. Im Durchschnitt liegt der Bruttostundenlohn bei Personen mit Berufsabschluss um etwa 60 Prozent über dem Niveau von Ungelernten.

2016 hatte sich Tino Sirlin dazu entschlossen, seinen Abschluss als Industrieelektriker anzugehen. Der Impuls kam von der Unternehmensleitung, die Potenzial in ihm sah. “Es war wirklich stressig”, sagt er heute, obwohl bei ihm dank seiner Vorkenntnisse nur sieben Wochen Theorie- und Praxislehrgänge ausreichten und er den Abschluss bei der IHK Darmstadt sogar als Jahrgangsbester gemacht hat. Sirlin wurde aber nicht nur durch seine Firma, sondern auch wesentlich durch ProAbschluss unterstützt, einer Initiative des Landes Hessen. Sie ist für hessische Beschäftigte gedacht, die keinen passenden Berufsabschluss haben und die beruflich noch etwas erreichen wollen. Ein Manko wie der frühere Abbruch einer Ausbildung kann so korrigiert werden. Fachliche, kostenfreie Beratung zum Wie und Wo gehört ebenso zu den Leistungen wie die finanzielle Unterstützung. Voraussetzung: Älter als 27 Jahre muss man sein, einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen und seinen Hauptwohnsitz in Hessen haben. Auch geringfügig Beschäftigte können die Zuschüsse beantragen, wenn der Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge abführt. Alles andere klären überall in Hessen die zahlreichen ProAbschluss-Beratungskräfte, zu finden auf www.proabschluss.de.

Die klug entwickelte Initiative hilft nicht nur den hessischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, sondern auch den lokalen Unternehmen. Denn der Fachkräftemangel ist inzwischen fast überall angekommen; insbesondere der Mittelstand ist betroffen. 50% der deutschen Mittelständler sehen aktuell den drohenden Fachkräftemangel als größte Gefahr für die weitere Entwicklung ihres Unternehmens, wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young im Januar 2017 in ihrem “Mittelstandsbarometer” ermittelt hat.

Dass der Fachkräftemangel reell ist, spürt auch Jörg Lobmeier im hessischen Edermünde. Mit seinem innovativen Unternehmen Bautechnik Lobmeier e. K. recycelt er Abbruchmaterial und stellt daraus neue Baustoffe her. Im Bereich von Straßenunterbau aus Hausmüllverbrennungs-Asche hat er sich nach eigenen Aussagen deutschlandweit einen Spitzenplatz erarbeitet. “Unser Unternehmenskonzept ist, dass wir alle sehr eng miteinander arbeiten. Jeder weiß, um was es geht”, so Lobmeier. Doch als Lobmeier jüngst eine qualifizierte Fachkraft für seinen Maschinenpark suchte, hatte er zunächst kein Glück. Vor allem in der mittleren Qualifikationsstufe sei kaum noch Personal zu bekommen. Den Grund sieht Lobmeier in der gesellschaftlichen Entwicklung: “Viele junge Leute machen heute Realschule und Abitur und wollen dann lieber einen Bürojob, bei dem man sich nicht dreckig macht. Wer nicht ausgebildet wird, fehlt uns in der Praxis.”

Lobmeier ist aber keiner, der lange lamentiert. Stattdessen suchte er kurzerhand nach einer Lösung mit Leuten aus dem eigenen Betrieb. Der 29-jährige Christian Scheliga, der vor zwei Jahren als ungelernter Bagger- und Laderfahrer ins Unternehmen gekommen war und sich brennend für die Maschinen- und Anlagentechnik des Unternehmens interessierte, wurde kurzerhand “ins kalte Wasser” geworfen, wie er selbst sagt. Seit Ende 2016 holt der ruhige junge Mann nun die Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer nach. Jeden Freitag besucht er dazu die Jugendwerkstatt Felsberg, eine nahegelegene Berufsbildungseinrichtung, wo er einzeln trainiert wird. Normalerweise ist ein Einzeltraining im deutschen Berufsbildungssystem noch die Ausnahme. Die ungewöhnliche Lösung wurde möglich durch die Initiative ProAbschluss, die hier, wie in den meisten Fällen, die Hälfte der Bildungs- und Prüfungskosten übernimmt. Scheliga, der schon viel Neues gelernt und auch im Unternehmen angewendet hat, ist dankbar und fest entschlossen durchzuhalten, damit sich das alles lohnt.

Finanziert wird ProAbschluss aus Mitteln des Landes Hessen und des Europäischen Sozialfonds. Hessen ist das erste Flächenland, das eine derartige Initiative gestartet hat. Dass die Chancen mit Berufsabschluss viel besser sind als ohne, diese Erkenntnis greift zwar allmählich um sich, aber vielen Menschen verleiht erst die Unterstützung von außen den entscheidenden Impuls, Ziele endlich umzusetzen. Manche Karrieren werden überraschend möglich, wenn berufliche Erfahrung mit einem anerkannten Abschluss kombiniert werden kann. Der eingangs erwähnte Tino Sirlin aus Grasellenbach zum Beispiel ist heute Abteilungsleiter.

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